Sammlungsraum 2018-07-06T10:13:56+00:00

Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.

Transitions, Carlo Edoardo Lischetti, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Julie Lovens
Transitions, Urs Dickerhof; Heinz Brand, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Julie Lovens
Transitions, Haus am Gern; Heinrich Lüber, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Julie Lovens

Transitions – Fotografie aus der Sammlung

29.6.-26.8.2018

Mit Werken von Heinz Brand, Urs Dickerhof, Haus am Gern, Carlo Edoardo Lischetti und Heinrich Lüber

Die Ausstellung Transitions zeigt eine Auswahl an Fotografien aus der Kunsthaus-Sammlung Pasquart. Im Spannungsfeld zwischen Performance, Malerei, Zeichnung und Fotografie versammelt die Präsentation Werke, die unterschiedliche mediale Überlagerungen aufzeigen. Die Arbeiten von Heinz Brand und Carlo Edoardo Lischetti verorten sich zwischen Malerei, Zeichnung und Fotografie. Die Polaroid-Serie von Urs Dickerhof verweist auf ein Fotografie-Verfahren, das einst von der breiten Masse benutzt wurde, in Vergessenheit geriet und erst seit einigen Jahren wieder Anklang findet. Die Fotografie von Haus am Gern ist das Ergebnis einer Aktion, in deren Zentrum der Verzehr von Pizzas stand. Die Bilder von Heinrich Lüber beziehen sich auf seine Performances und existieren sowohl als eigenständige Werke wie auch als Bezug auf diese Ereignisse.

Heinz Brand (*1944) zählt zu einer Generation von Kunstschaffenden, welche die traditionellen Medien der bildenden Kunst um die Fotografie erweitert haben. Gedruckt auf Leinwand, lotet das Werk Time Between (1979) den Bereich zwischen Fotografie und Malerei aus. Das Bild scheint durch den Stoff hindurch zu schimmern. Es entsteht und verflüchtigt sich direkt vor unseren Augen. Brands geistige Grundlage basiert auf der Philosophie des Zen-Buddhismus und zeigt sich in Werken, die durch «leere» Ideen und Vorstellungen bestimmt werden.

Die Werke von Urs Dickerhof (*1941) zeigen das Interesse des Künstlers an der Verknüpfung von unterschiedlichen Medien. Durch das Fotografieren seiner eigenen Gemälde entstehen Polaroid-Interpretationen, die im Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe, Figuration und Abstraktion eine eigene Dynamik entfalten. Es sind Bilder, die der Erinnerung eine alternative Existenz verleihen und so eine Verkettung zwischen Geschichte und Gegenwart evozieren. L’histoire du ballon (1984) und Torhüter (1984) gehen zurück auf das Wandgemälde in der Sporthalle in Tavannes, während Egyptian Dream (1984) auf dem gleichnamigen Gemälde basiert.

Die Fotografie Selbstportrait als Künstlerpaar XVI (SVP) (2011) von Haus am Gern (Barbara Meyer Cesta, *1959; Rudolf Steiner, *1964) entstand für die Beteiligung des Off-Space Marks Blond Project R.f.z.K an der Cantonale Berne Jura 2011. An jede der acht Institutionen der Cantonale liess Haus am Gern während der Vernissage von einer Pizzeria zwei Pizzen an Marks Blond ausliefern. Diese wurden von den jeweiligen Pizzaiolos als Porträts nach einer Fotografie des Künstlerpaares gestaltet. Die Pizzen wurden fotografiert und anschliessend gegessen. Die Abbildungen der Pizzen wurden am folgenden Tag in die jeweiligen Ausstellungen der Cantonale integriert.

Carlo Edoardo Lischetti (1946 – 2005) war künstlerischer Einzelgänger mit bescheidener Schulbildung, der trotzdem als Philosoph verblüffte. Sein Werk Vogel und Matterhorn (undatiert) verortet sich im Bereich zwischen Fotografie und Zeichnung, wobei der Eingriff in das Bild sich durch eine feine zeichnerische Geste in Form eines Vogels akzentuiert. Die humorvolle und gleichzeitig poetische Verbindung zwischen Bild, Linie und Titel wird durch das unkonventionelle Format des Bildes zusätzlich verstärkt.

Den Fotografien von Heinrich Lüber (*1961) liegen Aktionen im urbanen Bereich zu Grunde. Sie entfalten sich in der Wechselwirkung zwischen Dokumentation und Perfomance. Ohne Titel (1997) zeigt Lüber vor dem Umbau des Kunsthaus Pasquart. Er ist an ein Markiergerüst über dem Altbau fixiert und hält sich sprechend in der Luft. In der Fotografie Ohne Titel (1999) schwebt Lüber waagrecht in vier Meter Höhe über einem Stofftrichter, der wie ein überdimensioniertes Megafon zu Boden gerichtet ist. Die Gravitation ist scheinbar überwunden.