Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.

Still Here to Witness, Ausstellungsansicht / vue d’exposition, Foto / photo: Lia Wagner
Still Here to Witness, Ausstellungsansicht / vue d’exposition, Foto / photo: Lia Wagner
Still Here to Witness, Ausstellungsansicht / vue d’exposition, Foto / photo: Lia Wagner
Still Here to Witness, Ausstellungsansicht / vue d’exposition, Foto / photo: Lia Wagner

Still Here to Witness

8.12.2019-5.4.2020

Mit Werken von Daniel Berset, Zoran Bogdanović, Roman Buxbaum, Walter Kohler-Chevalier, Sanjin Jukić, Nusret Pasić und Petar Waldegg.

Die Ausstellung Still Here to Witness versucht Spuren von Krieg und militärischen Konflikten in Werken der Sammlung des Kunsthaus Pasquart zu offenbaren. Im April 1993 wurde in der Obala Gallery in Sarajewo die Gruppenausstellung Witnesses of Existence mit Kunstwerken gegen den Bosnienkrieg eröffnet. Das neuerbaute Kulturzentrum wurde zwei Wochen zuvor kurzerhand von serbischen Milizen zerstört. Die Ausstellung sollte symbolisch für Gedenken und Einheit stehen. Kunst bleibt auch im Krieg die Verfechterin der Menschenrechte. In Biel ist man von einem solchen Schicksal zum Glück verschont. Die Schweiz ist seit mehr als einem Jahrhundert vom Krieg unberührt und die Sammlung des Kunsthauses ist nicht durch Gewalt und Zerstörung gefährdet. Dennoch manifestiert sich der Krieg immer wieder in den Werken der Sammlung. Dies kann ganz subtil und leise geschehen, wie in den Hunziker-Blättern von Roman Buxbaum, oder intensiv und farbenstark, wie im grossen politischen Gemälde von Walter Kohler-Chevalier. Abgerundet wird die Ausstellung schliesslich von einer extra für das Kunsthaus angefertigten Skulptur des Freiburger Friedenskünstlers Daniel Berset.

Im April 1993, während des Bosnienkrieges, wurde das alte Kulturzentrum Galerija Obala in Sarajewo für eine einzelne Ausstellung wiedereröffnet, weil das neuerbaute Kulturzentrum im Zentrum Sarajewos zwei Wochen zuvor von serbischen Milizen vernichtet wurde. Die Ausstellung Witnesses of Existence zeigte sechs bosnische Künstler, die mit ihren Werken dem zerstörten Neubau gedachten. Die Ausstellung polarisierte jener Zeit stark, da sie sich mit dem laufenden Bosnienkrieg auseinandersetzte. So verwendeten die Künstler in der Ausstellung Witnesses of Existence vornehmlich Materialien, die mit dem Krieg in Bezug standen und versuchten so, die Spuren der Konflikthandlungen in der Kunst festzuhalten. Hier wird eine Auswahl von vier Prints Ghetto Spectacle Sarajevo (1994) von Sanjin Jukić (*1957), Glava (1994) von Edo Numankadić (*1948), Strondoja (1994) von Nusret Pasić (*1951) und Step by Step (1993) von Petar Waldegg (*1950) gezeigt.

Roman Buxbaums (*1956) Werk Hunziker (1992) besteht aus 41 doppelseitigen Kalenderblätter, die ein nicht weiter bekannter Arbeiter namens Hunziker während seiner langen Dienstzeit bei Brown Boveri & Cie in Baden ausfüllte. Besonders augenfällig sind dabei die grünen Abschnitte den 30er- und 40er-Jahren, die für den Militärdienst Hunzikers stehen. Ohne weitere Erklärung oder detaillierten Angaben manifestiert sich hier im Schichtplan des Arbeiters Hunziker seine Absenz, die unweigerlich an das Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Erinnert.

Walter Kohler-Chevalier (1941 – 2009) beschäftigte sich in seinem Oeuvre mit den grossen Schlagzeilen des Weltgeschehens – von der Tschernobyl-Katastrophe bis zum Krieg in Jugoslawien. In Bedrohung Golfkrieg 14.1.1991 (1991) zeigt Kohler-Chevalier unmissverständlich die Brutalität eines Krieges. Mit dunklen Farben und einer abstrahierten Formsprache entfalten sich die Ereignisse in Kuwait rund um die Ermordung des Sicherheitsstabs der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO auf der Leinwand.

Daniel Berset (*1953) ist bekannt für seine Stühle, auf denen es unmöglich ist zu sitzen. Sein bekanntestes Werk, The Broken Chair (1997), steht vor dem UNO-Gebäude in Genf, wo täglich über Kriege und Konflikte verhandelt werden. Für das Centre Pasquart fertigte Berset den Bieler Stuhl (1994) an, der an die Formen des Museumsgebäudes erinnert. Während dem Genfer Stuhl symbolisch durch eine Landmine ein Bein fehlt und er deshalb zu unsicher ist zum darauf sitzen, wirkt der Bieler Stuhl stabil und standhaft, zum Sitzen fehlt ihm jedoch eine freie Fläche.