Collection room 2019-01-21T11:47:14+00:00

Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.

Serendipity, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Lia Wagner
Serendipity, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Lia Wagner
Serendipity, Ausstellungsansicht / Vue d’exposition / Exhibition view, Foto / photo: Lia Wagner

Serendipity

{Serendipity (engl. unerwartete Entdeckung) bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist}

2.12.2018-31.3.2019

Mit Werken von Com&Com, Mariann Grunder, Erica Pedretti, Markus Raetz, Francisco Sierra und Uwe Wittwer

Die Ausstellung Serendipity lädt ein, in einer Auswahl von Werken der Kunsthaus-Sammlung Pasquart den Blick für Entdeckungen zu öffnen. Unsere Wahrnehmung geschieht durch unbewusstes Filtern und Zusammenführen von visuellen Informationen zu subjektiv sinnvollen Gesamteindrücken. Diese werden laufend mit in uns gespeicherten Vorstellungen, Mustern und Formen abgeglichen. Aus dem Unterbewussten aufsteigende Bilder können so ganz neue Wahrnehmungsinhalte produzieren.

Im Einstiegsbild von Francisco Sierra (*1977) Die Ankunft blickt eine kahlköpfige Kreatur gleichsam in den Ausstellungsraum wie auch in eine karge Landschaft hinein. In der Brille, die das Motiv des Schildpattrahmens aufgreift, spiegeln sich skurrile Wesen und lassen uns teilhaben am Blick des Protagonisten. Aussenwelt und Innenwelt treffen sich und verweisen auf die subjektive Wahrnehmung des Betrachters selbst. In seiner eigenwilligen Bildsprache überführt Sierra die Mittel der realistischen Malerei auf humorvolle Art in fiktive Szenarien und surrealistische Welten.

Markus Raetz (*1941) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Phänomenen der Wahrnehmung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Bilder entstehen und wie sie den Prozess des Sehens sichtbar machen. Mit dem Verfahren der Anamorphose projiziert der Künstler in den Reflexionen I und III Umrisse eines Objekts mittels eines Spiegels verzerrt auf eine Fotoplatte und stellt so das Bild her. Die Arbeit Looking-Glass fordert den Betrachter zu Interaktion auf, denn sie erschliesst sich durch die Bewegung vor dem Werk.

Das künstlerische Schaffen von Erica Pedretti (*1930, CZ) thematisiert immer wieder den Verlust von Heimat und Identität und dehnt das Motiv der Entfremdung auch auf die Beziehung zwischen den Geschlechtern aus. Ihre filigranen Zeichnungen sind fragile, offene Gebilde, die fragmentarisch bleiben. Sie zeigen ineinander verschlungene Figurationen von Linien — Metamorphosen, in denen organische und pflanzliche Gebilde ebenso wie Gesichter und intime Körperteile erkannt werden können.

«Pareidolie» bezeichnet das Phänomen, in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen —  bekanntes Beispiel hierfür sind vorbeiziehende Wolken, deren Formen an alltägliche Dinge erinnern. Das Wolkenblatt von Uwe Wittwer (*1954) spielt mit der Magie, die von Wolken ausgeht und wirft dabei die Frage auf, wie Erinnerung die Rezeption von Bildern beeinflusst.

Das Aststück Baum (natural ready made Nr. 93) ist Fragment einer ursprünglich grösseren Arbeit von Com&Com (Marcus Gossolt *1969 und Johannes M. Hedinger *1971). Das Künstlerduo spielt mit dem Begriff des Ready-Made und hinterfragt ihn, indem es das Natur-Fundstück aus seiner Verdinglichung befreit und so den Raum für die Betrachtung neu öffnet.

Real und imaginär zugleich versetzt der Schmetterling von Mariann Grunder (1926-2016) den Betrachter in Staunen. Je nach Perspektive oszillieren die Formen — Spuren sind gelegt und lassen in uns Wissen aus der Erfahrung anklingen. Wir werden gefordert, das Objekt auf seine Materialität hin zu befragen und dabei den Wirklichkeits- und Symbolgehalt zu entdecken. Anschauung und Reflexion wechseln sich ab und fliessen ineinander. Der Schmetterling mit seinen beinahe geschlossenen Flügeln bleibt rätselhaft.

Kuratorin der Ausstellung

Caroline Komor