Sammlungsraum / Salle de la collection
“Un peu d’animation”
M.S. Bastian, Blau – Stadt Biel, o.D / s.d.
Foto / photo: Julie Lovens

Sammlungsraum / Salle de la collection
“Un peu d’animation”
Markus Raetz, Form im Raum, 1991/92, Klaudia Schifferle, Allüre, 1984
Foto / photo: Julie Lovens

Sammlungsraum / Salle de la collection
Fotos / photos: Julie Lovens

Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.


Un peu d’animation!

22.9.-19.11.2017

Mit Werken von M.S. Bastian, Markus Raetz, Klaudia Schifferle und Martin Ziegelmüller

Die Ausstellung Un peu d’animation! bietet die Gelegenheit mit einer Auswahl von Werken der Kunsthaus-Sammlung Pasquart die Beziehung zwischen bildender Kunst und der Welt des Comics zu befragen. Bereits bei Kunstschaffenden der Pop Art lässt sich die Aneignung der Bildsprache sowie der Figuren von Cartoons beobachten. Der Einfluss der Popkultur auf die Motive in den Kunstwerken der Ausstellung zeigt sich durch die Verwendung einschlägiger Charakteren wie beispielsweise Bart Simpson. Die Umdeutung der Comic-Ikonen, die durch deren Einbindung in Kunst entsteht, ermöglicht mit neugierigem und kritischem Blick die Grenzen und Durchlässigkeit zwischen diesen Sparten zu betrachten.

Der Bieler Künstler M.S. Bastian besiedelt seine Kompositionen mit fiktiven Figuren, deren Identitäten den Betrachtern nicht verborgen bleiben. In Blau – Stadt Biel (o. D.) sind Mickey Mouse und Bart  Simpson aus ihren ursprünglichen Zeichentrickfilmen entnommen worden, um den Raum auf dem Papier zu bevölkern. Als etablierter Zeichner verwischt der Künstler mit zahlreichen Anlehnungen an die Comicwelt die Schranken zwischen Popkultur und der oftmals als zu ernsthaft wahrgenommenen Kunstwelt. Zudem ermöglicht ihm der Einsatz von unterschiedlichen Medien wie Siebdruck, Malerei, Büchern und Comicbänden sein künstlerisches Universum nach Belieben abzuwandeln und weiterzuentwickeln. Auch die Arbeit Form im Raum (1991/92) von Markus Raetz zeigt, dass das Kunstuniversum von Comicfiguren durchdrungen ist. Seit den 1960er-Jahren arbeitet er mittels der Anamorphose, ein Konzept zur Darstellung des prozesshaften Erfahrens von Wirklichkeit, mit Ikonen der Medienkultur. Die Silhouette von Mickey wird zum Werkzeug im Dienste der künstlerischen Untersuchung.

Die Lithografien Wildwestbuch (1968/69) von Martin Ziegelmüller beleuchten eine weitere Facette der Aneignung des Comic-Formats. Der Künstler erzählt hier, Druckgrafik um Druckgrafik, eine Geschichte von Cowboys, die sich den typischen Szenen der Comichefte wie Explosionen oder Schlägereien bedient. Die Verwendung dieser Codes zieht eine unmittelbare Wahrnehmung seiner Druckgrafiken nach sich. Eine vergleichbare Direktheit in der Leseart lässt sich bei den zahllosen Bildern, die von den Medien ausgesendet werden, ausmachen. Die lebendigen Farben, die Schlichtheit der Konturen und die fast kindliche Ausdruckskraft des Gesichts im Gemälde Allüre (1984) machen ersichtlich, dass das Bild von Klaudia Schifferle ebenfalls in diesem Kontext eingeordnet werden kann.

Augenfällige Bilder, die mit der Klarheit ihrer Striche direkt ihre Inhalte transportieren, zeigen, wie diese Kunstschaffenden die Sprache des Genre Comic verinnerlicht haben. Diese Bilder ziehen ihre Kraft aus ihrer narrativen Qualität und sprechen mit ihren unmittelbaren Zugängen alle gleichermassen an. Die einfache Identifikation mit den Charakteren und Motiven unterstützt diese Wahrnehmung zusätzlich.

Die Ausstellung ist das Resultat einer Kooperation mit der Kunstvermittlung des Kunsthauses. Anhand einiger ausgestellter Werke ist der Workshop mit dem Titel Was geschieht denn da? entwickelt worden. Besucht wird er von Schülern der Primarstufe und des Kindergartens.