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NILBAR GÜREŞ – Sour as a Lemon

17.4.-13.6.2021

Nilbar Güreş (*1977, TUR) lebt und arbeitet in Wien und Istanbul und ist eine der interessantesten und international erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen. Ihr Werk setzt sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen wie Interkulturalität oder queeren Lebensweisen auseinander und beleuchtet Möglichkeiten einer offenen Gesellschaft. Die künstlerische Sensibilisierung auf Grenzdiskurse hat einen nachhaltigen Charakter. Güreş hinterfragt konventionelle Geschlechterrollen und -beziehungen und deutet Potenziale an, feminine und queere Identitäten zu stärken. Ihre künstlerische Praxis basiert auf subtilen Momenten des Widerstands, deren Inszenierung am Rande des Alltags besonnen radikal wirken. Nilbar Güreş’ Werk ist von Humor und spielerischer Ironie gezeichnet und offenbart eine konsequente Kritik an gesellschaftspolitischen Konventionen. In ihren fotografischen und skulpturalen Arbeiten manifestiert sich das Performative, das aber auch, in einem übertragenen Sinne, in ihren Collagen und Zeichnungen sichtbar wird. In diesen anarchisch wirkenden Szenerien mit bühnenartigen Arrangements kreiert die Künstlerin ein präzises und ausdruckstarkes Vokabular.

Nach der Einzelausstellung der Künstlerin im LENTOS Kunstmuseum in Linz, Österreich (2018), die einen breiten Überblick über ihr Werk von 2005 bis 2018 gab, und der jüngsten Ausstellung im Badischen Kunstverein in Karlsruhe (2019), liegt das Augenmerk der monografischen Ausstellung in Biel auf den letzten sechs Jahren der Karriere von Güreş.

Güreş arbeitet in den verschiedensten Medien, darunter Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Film, Performance, Collage und Zeichnung. Wichtige Elemente ihrer Arbeit sind die solidarischen und integrativen Aspekte der Leben und Beziehungen zwischen Frauen und die Frage danach, wie sie ihre Welten in bestehende Systeme einfügen. Die Künstlerin schafft scheinbar normale Landschaften und Geografien, die sie jedoch mit minimalen Verschiebungen verschränkt und ihnen dadurch einen surrealen Hauch und einen Sinn für das Absurde verleiht.

Textilien sind für die Künstlerin ein wichtiges Medium, das sie in ihre Fotografien, Collagen und Skulpturen integriert, um die Sichtweisen auf den Körper und soziale Strukturen von Besitz zu reflektieren. Bereits während ihres Studiums der Malerei in Istanbul, der Malerei und Grafik an der Wiener Akademie der Bildenden Künste sowie der Kunstausbildung und des Textildesigns, beschäftigte sich Güreş intensiv mit dem Medium Textil. Viele der verschiedenen Stoffe, die in den Werken Verwendung finden, wurden von Frauen aus dem unmittelbaren Milieu der Künstlerin erworben. Sie stammen aus verschiedenen Zeiträumen und widerspiegeln oft private Erinnerungen oder politische Situationen.

Charakteristisch für die Collagen von Güreş sind bildhafte und grafische Elemente, die mit textilen Fragmenten ergänzt werden. In ihren Collagen greift die Künstlerin häufig geschlechtsspezifische Themen auf, hinterfragt konventionelle weibliche Rollen innerhalb patriarchalischer Familienstrukturen und versinnbildlicht das kollektive ‚Empowerment’ von Frauen, welches durch Solidaritätsprozesse entsteht.

Stoffe bilden oft auch die Grundlage für die Skulpturen von Nilbar Güreş, manchmal in Form von Kissen, die in der Türkei als Mitgift verwendet werden. Ihre Textilskulpturen haben häufig Fetischcharakter und verweisen auf Körperteile. Der facettenreiche Umgang der Künstlerin mit Mustern und Stoffen bildet eine produktive Quelle für eine subversive Aneignung. In neuen Arbeiten wie beispielsweise Sour as a Lemon(2020) wird Stoff aus dem traditionellen Kontext der Handwerkskunst in die (trans)genderpolitischen Erzählungen der Skulpturen überführt.

Kuratorin der Ausstellung

Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus Pasquart

Publikation zur Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit einem Text von Pierre Bal Blanc und einem Interview im Verlag für moderne Kunst (DT/FR/ENG).

Öffentliche Führungen

Do 6.5.2021, 18:00 (dt) Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus Pasquart

Do 27.5.2021, 18:00 (fr) Fannie Audergon, Kunsthistorikerin

Mit der freundlichen Unterstützung des Bundeskanzleramtes Wien, des Österreichischen Kulturforums Bern und der SAHA Association.

Nilbar Güreş, Underneath, 2019, Stoff, 115 x 72 x 18 cm; Courtesy the artist and GALERIST, Istanbul; Foto: Reha Arcan