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KIEFER HABLITZEL | GÖHNER KUNSTPREIS 2019

22.9.-24.11.2019

Die Stiftungen Kiefer Hablitzel und Ernst Göhner gehören zu den bedeutendsten Schweizer Förderern des kulturellen Nachwuchses. Jährlich richten sie einen Wettbewerb für Kunstschaffende unter 30 Jahren aus. Aus 229 Bewerbungen wählte die Jury 17 Positionen aus, die zur Ausstellung im Rahmen der Swiss Art Awards in Basel eingeladen wurden. In einer zweiten Runde wurden aus diesen Nominationen 7 mit dem Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2019 ausgezeichnet. Die GewinnerInnen zeigen ihre Werke anschliessend in einem institutionellen Umfeld. Dieses Jahr findet diese Ausstellung im Kunsthaus Pasquart in Biel statt. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation beim Verlag für moderne Kunst, herausgegeben von den Stiftungen Kiefer Hablitzel und Ernst Göhner mit kurzen Essays zu allen PreisträgerInnen.

Die Ausstellung schafft einen Einblick in das junge Schweizer Kunstschaffen, wobei der Fokus auf neuen Arbeiten liegt. Die Präsentation zeichnet sich durch ein breites Spektrum künstlerischer Positionen und eine grosse Vielfalt von Medien und Materialien ab – von grossformatigen Malereien über installative Werke, bis hin zur Auseinandersetzung mit Video, Wort, Text und Erzählung sowie der Untersuchung des Körpers und der physischen Realitäten vermittelt die Ausstellung einen Eindruck von der Diversität und Originalität einer neuen Generation Kunstschaffender.

Mohamed Almusibli (*1990 in Sanaa (YE), lebt und arbeitet in Zürich sowie in Genf) schafft Installationen mit Text und Sound. In Worten sieht er die Stimme, welche neben einer sprachlichen Äusserung eines Individuums auch eine Aussage mit politischem Potential im gesellschaftlichen Rahmen sein kann. So offenbaren seine Werke gesellschaftliche Zwischentöne, die er subtil in ihren räumlichen Kontext einbettet. Betritt man seine aktuelle Rauminstallation, taucht man ein in eine intime Atmosphäre aus gedämpftem Licht, Bild, Musik und Sprache. Wir hören die WhatsApp Voice Notes seiner Mutter aus Jemen an den Künstler, die ihre Erinnerungen zu berühmten arabischen Liebesliedern aus den 60er-Jahren erzählt. Er zeigt die Liedertexte wie Bilder und deutet an, wie unter eingeschränkten Bedingungen über Liebe gesprochen werden kann.

Natacha Donzé (*1991 in Boudevilliers, arbeitet in Lausanne) befragt in ihrem Werk soziale Codes, Stereotypen, Alltägliches und Fabeln der Populärkultur. Ihre Bildkompositionen isolieren, wiederholen oder kombinieren Form, Fläche, Farbe und figurative Symbole aus den unterschiedlichsten Kulturbereichen. Für die Ausstellung hat sie eine Rei-he von Bildern geschaffen, die dekorative Raumelemente der Architektur aufgreifen und damit auf Objekte verweisen, die im Zusammenhang mit Inneneinrichtung, Beleuchtung oder auch der luxuriösen Umgebung in Hotelanlagen stehen. Eine andere Werkgruppe rezitiert Tiermuster als Designelement der Mode oder antiker Accessoires. Die Künstlerin greift hier Designelemente auf, die bereits selber Imitationen einer Wirklichkeit sind und imitiert sie in ihrer Malerei.

Bernhard Hegglin (*1989 in Zürich, arbeitet in Zürich) befasst sich in seiner künstlerischen Praxis mit Zeichnung, Skulptur und Installation. Seine neuen Metallskulpturen formen sich ihren Weg ausgehend von der Decke als feingliedriges Liniengefüge in den Raum und überschreiten die medialen Grenzen von Zeichnung und Skulptur. An den Enden der Metalllinien sind eine Auswahl von Seiten aus Hochglanz Werbemagazinen, Fachmagazinen und aus einem Künstlerbuch von Fischli-Weiss befestigt. Die Struktur vereint bereits Vorhandenes und neu Hinzugefügtes. Dabei bleiben der Beginn und das Ende des künstlerischen Schaffensprozesses bewusst unbestimmt und uneindeutig. Die gesammelten Werbungen sind Spuren aus unserer Gesellschaft, die als Fragmente auf einen grösseren Zusammenhang verweisen.

Roman Selim Khereddine (*1989 in Zürich, arbeitet in Zürich verarbeitet in seinen Werken Geschichte als vielschich-tiges Konstrukt, indem er historische und sozio-politische Ereignisse, Kultur, Anekdoten und Mythen neu konstituiert und so bestehende Zusammenhänge und ihren Wahrheitsanspruch unterläuft. Seine narrativen Malereien ergänzt er mit in Beton gegossenen Tierkörpern und -köpfen, welche an die Methoden der Tierpräparation erinnern. Er verweist einerseits auf das Tier als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand, aber gleichzeitig auch darauf, dass sie als Fabelwesen auf andere Methoden der Geschichtsschreibung referieren. Die Vermischung von Fiktion und Realität ermöglicht es ihm, gesellschaftliche, soziale und politische Konstellationen zu dekonstruieren.

Nils Amadeus Lange (*1989 in Köln (D), arbeitet in Zürich) ist Performer und Choreograph. Für diese Ausstellung realisierte er neben einer Performance zwei Installationen, welche zufällige Objekte und Bilder vereinen. Der Künstler schafft vermeintlich unpassende Konstellationen von Dingen, die er immer wieder in seinen Werken verwendet, repro-duziert und konfrontiert, und sie als eine Art Familie betrachtet. Die Wahl Materialien und Bilder, die wie Readymades der Populärkultur wirken, der Kitsch und kommerzielle Trash konfrontieren unser Verständnis davon, was als „hohe Kunst“ angesehen wird. Das Zusammenspiel von High und Low, Kommerz in Kombination mit der Dekonstruktion von Konventionen und sozialer Modelle, wie Rollenbilder und Genderklischees, schafft ein wirkungsvolles Spannungsfeld.

Sveta Mordovskaya (*1989 in Ulan-Ude (RU), arbeitet in Zürich und Wien) untersucht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Praxis die Beziehung des Körpers zu den Dingen und Materialien in unserer Umwelt. Sie konfrontiert vertraute, alltägliche Gegenstände mit Körperlichkeit, wobei ihr Blick stark auf die Beschaffenheit der Objekte gerichtet ist. Die Materialität und die geformten Oberflächen erinnern an Sedimente, Fossilien oder Korallenreste, die wie geologische Relikte die Spuren der Zeit verbildlichen, aber auch an dekorative Elemente der Inneneinrichtung wie Rahmen oder Kränze. Es entstehen mehrdeutige, poetisch anmutende Werke, die zwischen Anthropomorphismus und Abstraktion oszillieren, aber zumeist auf die Abwesenheit des Körpers verweisen.

Valentina Triet (*1991 in Winterthur, arbeitet in Zürich und Wien) erarbeitet in ihren Werken mehrere Perspektiven auf ein Thema, die in verschiedenen Medien – in Installationen, Skulptur, Texten, Fotografie oder Film – umgesetzt werden können und ihr spezifisches Narrativ entwickeln. Die Künstlerin entzieht sich mit ihrer Praxis einer eindeutigen Lektüre ihrer Arbeit. Vielmehr spielt die assoziative Verwendung von alltäglichen Materialien und Referenzen eine grosse Rolle. In ihrer neusten Arbeit, die sie zusammen mit der Philosophin Diana Bulzan entwickelte, geht es um die Suche nach neuen Strategien des Widerstands, die sich einer Vereinnahmung und Legitimierung durch Institutionen entziehen und mit denen auf die aktuellen Krisen des neoliberalen Kapitalismus reagiert werden kann.

Führung und Performance

Sa 19.10.2019, 15:00               Performance von Nils Amadeus Lange

Do 24.10.2019, 18:00 (dt)     Führung mit Felicity Lunn, Direktor Kunsthaus Pasquart

Künstlergespräch und Buchpräsentation

Do 7.11.2019, 18:00 (dt)        Kunstschaffende der Ausstellung im Gespräch mit Felicity Lunn.

Podiumsgespräch: Die Kunst der Förderung

Mi 13.11.2019, 19:00 (dt)      Förderung junger Kunstschaffender in der Schweiz  Organisiert von der Kiefer Hablitzel Stiftung.

Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2019, Ausstellungsansichten Kunsthaus Pasquart 2019. Fotos: Stefan Rohner