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Florian Graf

27.1.-31.3.2019

Florian Graf (*1980, CH) beleuchtet in seiner künstlerischen Arbeit Themen der Architektur sowie Landschaftsarchitektur und untersucht dabei die psychologische und emotionale Wirkung von Räumen. Mit Skulptur, Installation, Zeichnung, Video oder Fotografie schafft er Momente der poetischen Verdichtung, in welcher sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung auflösen. Im Garten des Kunsthauses installiert Florian Graf drei Skulpturen aus Beton, welche jeweils aus drei sehr unterschiedlichen Grundformen zusammengefügt sind. Ein Kreis, eine L-Form und eine gezackte Figur bilden auch die Bausteine von Keramikmodellen, einer fotografischen Arbeit oder einer Zeichnungsserie. Variantenreich angewendet, unterscheiden sich diese Formengebilde voneinander in Beschaffenheit, Massstab und Inszenierung und verweisen auf Überlegungen des Künstlers zu neuen modularen Gesellschaftsstrukturen. Schliesslich schafft er in der Verbindung dieser drei Formen meterhohe Skulpturen aus Aluminium und inszeniert sie spektakulär in der monumentalen Salle Poma. Die weiteren Ausstellungsräume deutet der Künstler in eine Wohnsituation um, in der neben den anderen Werken auch seine dokumentarisch wirkenden Filme gezeigt werden. Graf spielt darin sein Alter Ego, den Aktionskünstler Graphenheim und parodiert sich damit selbst. Zwischen konzeptueller Logik, visionärer Kraft und feinem Humor untersucht Florian Graf die Aneignung von Körpern, Rollenbildern und Behausungen und schafft ein lebendiges Gefüge aus Imagination, Materialität und Zeitlichkeit.

In seiner umfassendsten Einzelausstellung bisher lässt Florian Graf den Zeichnungsbüchern (1988 – 2018) einen zentralen Stellenwert zukommen und gewährt uns damit einen Einblick in seine künstlerische Denkweise. Zwischen Idee und Werk verortet, kommt diesen Büchern eine besondere Bedeutung zu, da sie gleichermassen als Erklärungsmodell für seine Werke wie auch für seine Haltung als Künstler dienen. Ihr Inhalt reicht von Skizzen für Skulpturen bis hin zu konzeptuellen Experimenten. Zwischen Beobachtung und Vorstellung verweisen sie mit spielerischer Ernsthaftigkeit auf die Wandelbarkeit von Gesellschaftsordnungen und regen uns an, die Welt mit einem fragenden Blick zu betrachten.

Auch die Arbeiten der Werkgruppe Bio Diversity (2018) versteht Florian Graf als wandelbare Gefüge. Diese Werke existieren in unterschiedlichsten Dimensionen sowie Materialien und setzen sich immer aus Kreis, L-Form und gezackter Figur zusammen. Im Grünen vor dem Kunsthaus installiert, wirken die Figuren aus Beton wie kleine Gebäude, die aufgrund ihrer Öffnungen auf ein vermeintliches Innenleben schliessen lassen. Abwandlungen dieser Objekte fertigt der Künstler in der Grösse von Menschen aus Holz an. In der Anlehnung an den menschlichen Körper wirken sie dabei beinahe konfrontativ. Die Präsenz der drei grossformatigen Objekte in der Salle Poma erzielt der Künstler durch deren Materialität aus Aluminium und die asymmetrische Setzung im Raum. In drei unterschiedlichen Farben gehalten, evozieren sie aufgrund der Platzierung auf organischem Untergrund ein Spiel zwischen Künstlichkeit und Natürlichkeit. Die Vieldeutigkeit des Modells veranschaulicht Graf mit einer dreiteiligen Objektgruppe aus Keramik. Das Modell nimmt hier aber nicht eine stellvertretende Funktion für das Original ein. Es ist vielmehr ein autonomes Werk, das im Dialog mit seinen grossen Geschwistern sowohl Entwurf eines zukünftigen Prototyps als auch Studienobjekt sein kann. Eine Ambivalenz entdecken wir auch in den Fotografien, Zeichnungen und Textarbeiten, die auf vielgestaltige Weise diese drei Grundformen in verschiedenen Zusammenhängen verorten. Unter den Aspekten des Displays, der Materialität oder der Rezeption untersucht Bio Diversity schliesslich das Potenzial eines wandelbaren Architekturkörpers und wird so zum roten Faden der Ausstellung.

Florian Graf zeigt in seinen Videos rund um den fiktiven Charakter Olf Graphenheim, dass auch der menschliche Körper als Gefäss von Identitäten und Emotionen gesehen werden kann. Gespielt vom Künstler selbst, tritt Graphenheim in den Videos Air (2010) oder Animistic (2015) als irritierender Charakter in Erscheinung und schafft Werke von weltbewegendem Ausmass. Der geistreiche Humor, der in diesen Videos offenkundig wird, zieht sich subtil durch Florian Grafs gesamtes Schaffen und verleiht seinem Œuvre Schalk und Scharfsinn. Merkmale, die auch in der Fotografie Transfixed (2011) erkennbar sind. Darauf sehen wir einen Hammer, in dem ein Nagel steckt. Intuitiv stellen wir uns die Frage, wie das möglich ist, wobei wir dabei vergessen, dass der Nagel auch mit einem anderen Hammer in den Holzgriff geschlagen hätte werden können. Die Arbeit Door in Gray (2018) thematisiert das Bild im Objekt und verschiebt die Vorstellung in die Wirklichkeit hinein. Wenn wir das gerahmte Werk aus einer gewissen Distanz betrachten, wirkt es wie eine Fotografie. Erst wenn wir uns der Arbeit nähern, erkennen wir, dass es sich tatsächlich um eine gerahmte Tür handelt. Als Betrachter und Betrachterinnen werden wir über unsere Bewegung und Haltung zur Arbeit als Teil des Werks miteinbezogen.

Über Fragen zur Betrachtung von Kunst hinaus schafft Florian Graf mit dieser Ausstellung einen Ort, der den musealen Kontext an sich befragt. Wenn der Künstler mit Möbeln um die Werke herum eine Wohnsituation gestaltet, entsteht eine beinahe gemütliche Umgebung, die zum Verweilen anregt und uns fast vergessen lässt, dass wir uns in einem Ausstellungsraum befinden. Er fördert damit eine neue Sichtweise auf die Kunst und zeigt auf, dass sich die Idee der Wandelbarkeit in einem mehrfachen Sinn artikulieren lässt.

Nach einem Architekturstudium an der ETH Zürich hat Florian Graf bildende Kunst an der Royal Drawing School, London, am Edinburgh College of Art und der School of the Art Institute of Chicago studiert. Er lebt und arbeitet in Basel. Zahlreiche Einzelausstellungen hatte er u.a. an der Abbatiale de Bellelay (2011), am Zeppelin Museum, Friedrichshafen (2012) und an der Kunsthalle St. Gallen (2015). Preise und Auszeichnungen sind u.a.: Cahier d’Artistes (2010), Fellow der Sommerakademie, Zentrum Paul Klee (2012), 2013 Swiss Art Award (2013) und Residency Künstlerhaus Schloss Balmoral (2018).

Die Präsentation im Kunsthaus Pasquart ist seine bisher umfangreichste Einzelausstellung.

Kuratorin der Ausstellung

Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus Pasquart

Öffentliche Führungen

Do 28.2.2019, 18:00   (fr)    Valentine Yerly, Kunstvermittlerin

Do 7.3.2019, 18:00    (dt)   Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus Pasquart

Künstlergespräch

Do 21.3.2019, 18:00   (dt)   Florian Graf im Gespräch mit Felicity Lunn