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Fabian Marti

MARTI COLLECTION

15 09 – 24 11 2013

Fabian Marti (*1979 Fribourg, lebt in Zürich) ist zu einem der wichtigsten Akteure der Schweizer Kunstszene geworden. Er arbeitet mit hybriden Medien – von Fotogramm über Keramik bis Tapete – die Handwerk und Massenproduktion überspannen und Themen wie Kreativität und Autorenschaft hinterfragen. Anstatt neue Entwicklungen in seiner eigenen Arbeit anzustreben, hat Fabian Marti seine Einzelausstellung im Kunsthaus CentrePasquArt als Gelegenheit genutzt, Künstlerinnen und Künstler aus seinem Freundes- und Arbeits-netzwerk für einen Werktausch einzuladen um diese mit seinen eigenen Werken in die Präsentation zu integrieren. Der Tauschprozess ist ein wichtiges Element des Künstler-netzwerkes, weil er nicht nur eine währungslose Wirtschaft kennzeichnet, welche das Marktsystem umgeht, sondern auch Kommunikation und Diskussion benötigt.

Die grossflächige Ausstellung von Fabian Marti im Kunsthaus CentrePasquArt behandelt Themen, die seit längerer Zeit wichtige Aspekte seiner Arbeit darstellen. Zum ersten Mal werden sie von Marti nun in Ausstellungsform artikuliert: die Prozesse des Tauschens, des Sammelns und des Netzwerkens sowie deren Verbindungen untereinander. Marti zeigt eine Auswahl seiner eigenen Arbeiten aus der Zeit 2007 bis 2013 (Inkjet Prints, Fotogramme und Keramikobjekte) zusammen mit Kunstwerken, die Kunstschaffende aus seinem Netzwerk mit ihm getauscht haben. Dabei setzt er eine jahrhundertelange Tradition fort, in der Künstler-Innen in Freundschaft und gegenseitigem Respekt einander Arbeiten schenken. Am Tausch interessiert Marti, dass es sich um eine Form des Dialogs handelt, die Hand in Hand mit dem Networking unter Künstlerinnen und Künstlern geht. Durch den Tauschprozess wird Marti automatisch zum Sammler. Im Gegensatz zum herkömmlichen Sammler, der sich nicht zwingend für die Person der Künstlerin oder des Künstlers interessiert, ist es für Marti vor allem wichtig, dass Werk und Kunstschaffende eine Einheit bilden und er sich als Künstler mit ihnen identifiziert.

Durch das Tauschen eignen sich Marti und die anderen Künstlerinnen und Künstler die zu-sätzliche Rolle einer Art subversiven Händlers an: indem alle Werke aus dem Markt entfernt werden, entsteht eine unterschwellige aber deutliche Kritik am Kunstmarktsystem. Beim Tausch, wo statt Geld für einen Gegenstand oder eine Dienstleistung ein Kunstwerk für ein anderes eingewechselt wird, entziehen sich Künstlerinnen und Künstler dem Marktsystem und schaffen stattdessen eine währungslose Wirtschaft. Sie können die Bedingungen autonom bestimmen, indem sie eine Gleichwertigkeit zwischen den Werken definieren.

In der Salle Poma präsentiert Marti zudem TwoHOTEL, eine Replik der Struktur, welche er im Februar 2013 an einem Strand in Bahia, Brasilien errichtet hatte. Ähnlich wie der Werktausch, funktioniert TwoHOTEL nicht auf einem institutionellen oder kommerziellen Niveau, sondern wird unter Künstlerinnen und Künstlern mündlich bekanntgegeben und basiert vollumfänglich auf Freundschaft und künstlerischer Wertschätzung. Die Idee eines Hotels als kreativer Akt wurde von „One Hotel“ von Alighero Boetti inspiriert, welches der italienische Künstler in den Siebzigerjahren in Kabul gepflegt hatte. Allerdings hat TwoHOTEL einen etwas anderen Fokus, da es spezifisch für Künstlerinnen und Künstler als Wohnatelier für einen kurzen Aufenthalt konzipiert wurde. Die architektonische Struktur des TwoHOTELs basiert auf der Materialität der rosafarbenen Maderite-Bretter, die in ganz Brasilien für Basisbedürfnisse in der Baubranche und normalerweise nicht für Häuser verwendet werden. Indem Marti den Kontext des tropischen Aussenraums durch einen europäischen Kunstraum ersetzt, ist das Hotel selbst ein Symbol des Austausches geworden, das von den Künstlerinnen und Künstlern aus seinem kontinuierlich wachsenden Netzwerk verwendet werden kann.

Von Fabian Marti eingeladene KünstlerInnen:

Annette Amberg, Michael Bauer, Kim Seob Boninsegni, Manuel Burgener, Stefan Burger, Valentin Carron, Liz Craft, Andreas Dobler, Cédric Eisenring, Armen Eloyan, Peter Fischli, Rainer Ganahl, Piero Golia, Delia Gonzalez, Amy Granat, Karl Holmqvist, David Hominal, Charles Irvin, Thomas Julier, Emil Michael Klein, Nuri Körfer, Balthazar Lovay, Tobias Madison, Mia Marfurt, Annina Matter, Pentti Monkkonen, Carter Mull, Kaspar Müller, Lauris Paulus, David Renggli, Mandla Reuter, Carissa Rodriguez, Pamela Rosenkranz, Emanuel Rossetti, Shirana Shahbazi, Lukas Wassmann, Hannah Weinberger, Andro Wekua, David Weiss, Liz Wendelbo, Eric Wesley, Urs Zahn

Kuratorin der AusstellungFelicity Lunn, Direktorin Kunsthaus CentrePasquArt Biel Bienne

Publikation: Zur Ausstellung von Fabian Marti ist in limitierter Auflage eine Publikation (dt, fr, en) erschienen, welche vom Bleach Verlag in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus CentrePasquArt veröffentlicht wurde. Diese enthält zahlreiche Bilder sowie Texte von Felicity Lunn, Carter Mull und anderen Künstlern.

 

 

Fabian Marti, Ausstellungsansichten / vues d’exposition / exhibition views Kunsthaus Centre d’art Pasquart 2013
Fotos / Photos:P.Christe