Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.


VITO ACCONCI
2.7.-3.9.2017

Vito Acconci (US, 1940 – 2017) gilt als einer der bedeutendsten Performance- und Videokünstler seiner Generation. Im Anschluss an sein Studium der Literatur wendet er sich zunächst der Poesie zu, bevor er, inspiriert durch die Situationisten, Ende der 1960er-Jahre ein performatives künstlerisches Schaffen entwickelte. Das Konzept der (theoretischen und praktischen) Herstellung von Situationen, in denen das Leben selbst zum Kunstwerk werden sollte, erwies sich als prägender Einfluss auf Acconci. Die Idee von Following Piece (1969) bestand beispielsweise darin, einem zufällig ausgewählten Passanten zu folgen, bis diese Person in einem Privatbereich verschwand. Seine Videoarbeiten der 1970er-Jahren zeichnen sich durch einen experimentalen Charakter aus und rücken als zentrales Thema die Infragestellung der Beobachterposition in den Vordergrund. Darüber hinaus sind seine Performances und Videos oft von subversiven, kontroversen Kommentaren und Handlungen durchzogen.

Ungleich seinen früheren Arbeiten, in welchen Acconci sich selbst inszeniert, zieht er sich in Stages. Come Back (1973) wortwörtlich aus dem Rampenlicht. Eine kleine Lichtquelle, ein Scheinwerfer beleuchtet die Szene, auf der sich der Künstler bewegt, mal in die Dunkelheit hinaus, mal in das dumpfe Licht hinein. Sein Gesicht ist nur leicht erkennbar, sein ganzes physisches Erscheinen wird von der vorherrschenden Dunkelheit verschleiert. Umso eindrucksvoller wirkt seine Stimme. Wie das für sein Werk typisch ist, wendet er sich direkt uns zu und zeigt dadurch die gegenseitige Abhängigkeit von Künstler und Betrachter auf.

In Walk-Over. Indirect Approaches (1973) sehen wir Vito Acconci in einem schmalen Gang hin- und herlaufen, er summt, sein Gang ist schwerfällig, er ist in Gedanken versunken. Plötzlich spricht er und wirkt dabei aufgebracht. Sein von Nostalgie – ein Gefühl, das unter anderem durch die Schwarz-Weiss-Aufnahme genährt wird – angehauchter Monolog, den der Künstler zu seiner imaginären Ex-Geliebten hält, ist gleichzeitig eine direkte Ansage an uns. Die statische Kamera ist des Betrachters Auge, die Pausen, die der Künstler gewährt, lassen Zeit nach möglichen Antworten zu den gestellten Fragen zu suchen. Mal übernehmen wir die Rolle der Ex-Geliebten, mal die des Zuhörers. Die Strategie der Konfrontation in Acconcis Video hat zum Ziel, das Selbst in Frage zu stellen. Gleich dem Fenster, das am anderen Ende des Ganges nach aussen zeigt, dient die Kameralinse dazu, den Betrachter auf sein Inneres zu lenken.

Die Videos dieser Zeit von Vito Acconci zeichnen sich durch ruhige Kameraführung und frontale Ansichten ohne Schnitt aus. Sein dramaturgisches Konzept zielt darauf ab, die Beziehung, die wir zu unserem Raum und unserer Umgebung haben, zu hinterfragen. Die Verhältnisse zu unseren Mitmenschen und die Auflösung der Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum sind nur einige der Fragen, die diese Arbeiten aufwerfen.