Ausstellungsansichten Sammlungsraum 2016, Fotos: Julie Lovens

Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.

 

Heinz-Peter Kohler – Der Familiengarten

Werke aus der Stiftung Kunsthaus-Sammlung Pasquart
ab 4.12.2016 mit Werken von Heinz-Peter Kohler

 

Die Einzelausstellung des Bielers Heinz-Peter Kohler versammelt zehn Radierungen des Zyklus Der Familiengarten I-X, 2016, den er kürzlich der Stiftung Kunsthaus-Sammlung Pasquart als Schenkung übergeben hat. Der Künstler ist vorwiegend für seine farbenreichen Aquarelle bekannt, in denen überlagerte Schichten zwischen Suggestion und Verschleierung oszillieren. Obschon die Aquarell-Technik, die er beherrscht, im Zentrum seiner künstlerischen Praxis steht, erweist sich Heinz-Peter Kohler als wandlungsfähig. Er verwirklicht sich in unterschiedlichen künstlerischen Medien und auf verschiedenen Formaten. Im Œuvre des Künstlers erscheint die Druckgrafik sporadisch auf einzelnen Seiten, in Serien oder Mappen. Die Werkgruppe Der Familiengarten I-X evoziert durch Repräsentation von Landschaften, Silhouetten von Tieren und Menschen, Pflanzen und verschiedenen Objekten die Themen Familien, Gärten und deren Beziehungen. Die Ausführung in feinem schwarzem Strich verleiht dem Werk Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit.

Seine Werke beschreibt Heinz-Peter Kohler als Frucht von Visionen, die er in seine Bilder übersetzt. Geleitet von spontanen Impulsen, sprudeln diese Visionen aus ihm hervor und lassen anhand von Linienführung und Formfindung Zeichnungen entstehen, welche die Grundlage der Druckgrafiken bilden. In abstrakten Formen sehen wir die Silhouetten von Blumen, Gartenzäunen sowie die Umrisse von Menschen auftreten. Als ob es sich um einen ersten Entwurf oder eine Skizze handelte, scheint der Strich hastig vollzogen geworden zu sein.

Diese Beobachtung führt uns zum Gegensatz zwischen der Zeichnung, die scheinbar mit Leichtigkeit entstanden ist, und dem aufwendigen Prozess der Radierung, bei dem das Bild auf die Druckplatte eingeschrieben werden muss, um es zu reproduzieren. Eine weitere Diskrepanz zeigt sich in der Thematik. Die idyllische, verträumte Vorstellung eines Familiengartens steht in Widerspruch zu seiner Ausführung. Die fragile Linienführung bringt chaotische Bildszenen hervor, die einen Eindruck von Unbeständigkeit entstehen lassen.

Heinz-Peter Kohler (*1935) hat an der Akademie der Bildenden Künste München studiert und besuchte Zeichnungskurse bei Max von Mühlenen. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, wie beispielsweise 1963 an der Biennale in Paris. Er erhielt 1999 den Kulturpreis der Stadt Biel. Zum Anlass seines achtzigsten Geburtstag hat das NMB Neues Museum Biel ihm 2015 die Einzelausstellung Heinz-Peter Kohler: Aquarelle 1960-2015 gewidmet.