Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.


translucide

8.4.-11.6.2017

Werke aus der Stiftung Kunsthaus-Sammlung Pasquart

Mit Werken von Miriam Cahn, Werner Otto Leuenberger, Gian Pedretti, Klaudia Schifferle

Die Sammlungsausstellung translucide zeigt eine Auswahl an Gemälden von vier Schweizer Kunstschaffenden. Obschon sie gänzlich ungleiche Biografien haben, lassen sich verschiedene Parallelen erkennen. So verbindet sie einerseits ihr expressiver Malstil, anderseits liegt den Werken eine kritische Selbstreflexion über ihre Position als KünstlerInnen zu Grunde.

Die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Rollenbild und seinen gesellschaftspolitischen Implikationen zieht sich durch Miriam Cahns (*1949) gesamtes Schaffen. Konsequent in schwarz-weiss gehalten war bis Mitte der 1980er-Jahre die Zeichnung ihr favorisiertes Medium. Als die Malerei in den Vordergrund rückte, löste das Spiel mit intensiven, leuchtenden Farben den vorgängigen expressiven Strich der Zeichnung ab. Das Triptychon den urzustand träumen (2001) verweist auf ein wiederkehrendes Thema: der Widerspruch zwischen Zivilisierung und Naturhaftigkeit. Dabei tritt das Tier als mahnende Kreatur in Erscheinung und bildet einen Gegenpol zur wachsam beobachtenden Frauenfigur. Schönheit, Stärke und Verwundbarkeit liegen so nahe beieinander, dass wir sie zeitweise nicht mehr auseinanderhalten können.

Das Frühwerk von Werner Otto Leuenberger (*1932, †2009) ist durchdrungen von flächiger abstrakter Malerei, die mitunter an Serge Poliakoff der Künstlergruppe Nouvelle École de Paris erinnert. Mitte der 1970er-Jahre wendet sich Leuenberger einer ausdrucksstarken figurativen Malerei zu, die fortan sein Schaffen bestimmen wird. Mädchen und Teufel (1985) verdeutlicht durch den dichten, mehrschichtigen Farbauftrag seinen damaligen expressiven Malstil. Dabei wird die Schwelle zur Abstraktion nur knapp nicht überschritten. Das Gemälde, in welchem wir die beunruhigende Spannung zwischen zwei Figuren – einem tierähnlichen Wesen und einer schemenhaft dargestellten Frau – nahezu spüren können, vermag auch die erzählerische Qualität seiner Bildsprache wiederzugeben.

Scheinbar abseits des Kunstbetriebes schuf Gian Pedretti (*1926) während rund fünfzig Jahren ein Œuvre, das zeitweiligen Trends bis heute trotzt und sich so auf eigensinnige Weise manifestiert. Über die Arbeit an tradierten Motiven wie Landschaft, Portrait und Stillleben hinaus, untersucht der Künstler dabei sein eigenes Erleben des Sehens beim Malen. Eine nach innen gerichtete Befragung, welche die Schatten seiner Persönlichkeit ausleuchtet. Das Werk Portrait (1987) ist Teil einer Serie von Selbstbildnissen, die in den 1980er-Jahren entstanden. Es zeigt schonungslos einen skeptischen, beinahe misstrauischen Maler, der den Betrachtenden direkt anblickt. Das Zeugnis einer Existenz zwischen Sein und Nichtsein.

Klaudia Schifferle (*1955) tritt Ende der 1970er-Jahre als Autorin, Schauspielerin, Künstlerin und Mitglied der Frauenband Kleenex an die Öffentlichkeit. Im Verlauf ihrer Laufbahn zieht sie sich aus der Musik zurück, um sich auf die bildende Kunst zu konzentrieren. Dies hat die Entstehung eines ausserordentlich vielgestaltigen Œuvres zur Folge. Fast täglich wechselt sie die Medien, arbeitet mit Zeichnung, Malerei, Skulptur oder Literatur und thematisiert dabei oft konfliktgeladene Lebensrealitäten. Das Werk ohne Titel (2001) entspringt einer Phase, in der sich Schifferle verstärkt der Malerei und vielschichtigen Bildaussagen zuwendet. In ihren expressiven Gemälden entmaterialisieren und konstituieren sich Körper und Gesichter – Figuren entschwinden in Farbsphären und tauchen kurz vor ihrem Verblassen wieder an der Bildoberfläche auf.