Der Sammlungsraum

Seit einigen Jahren verfügt die Stiftung Kunsthaus-Sammlung über einen Raum, in welchem sie ihre Neuanschaffungen oder eine Auswahl der Werke aus der Sammlung zeigen kann.

Hervé Graumann, Hard on Soft, 1993
Stiftung Kunsthaus-Sammlung

Jürg Moser, Schiftungen, 1990
Stiftung Kunsthaus-Sammlung

herman de vries, from whitw earth, 1993
Stiftung Kunsthaus-Sammlung

Jeux de matières

28.1.-10.6.2018

Mit Werken von Marianne Geiger, Hervé Graumann, Jürg Moser und herman de vries

Die Materialität stand lange im Schatten des künstlerischen Konzepts. In Zeiten der Digitalisierung und der Verflüchtigung von Materie ist das Interesse an den materiellen Aspekten von Kunst jedoch stetig gewachsen. Jedes Material hat seinen eigenen Ursprung, besitzt unterschiedliche Verwendungszwecke, weist eine individuelle Beschaffenheit auf und ruft vielfältige Assoziationen hervor. Die Interpretation von Kunstwerken gewinnt zudem an Komplexität, wenn wir über die Betrachtung künstlerischer Konzepte hinaus auch die Bedeutung und Geschichte der eingesetzten Materialien berücksichtigen. Jeder Werkstoff evoziert eine spezifische Sinnlichkeit. Die Ausstellung Jeux de matières beleuchtet in den Arbeiten von Marianne Geiger, Hervé Graumann, Jürg Moser und herman de vries die Wechselwirkungen zwischen Materie und Idee.

Das kompakte und zugleich zerbrechliche Material Gips, das wir als Baumaterial kennen und mit Stuckaturen oder Architektur in Verbindung bringen, kommt in der Skulptur Ohne Titel (1990) von Marianne Geiger (*1961, CH) zum Einsatz. Massive, aus Gips geformte Krüge ergänzen sich in einer spielerischen, vertikalen Anordnung und lassen die Zerbrechlichkeit des Materials in den Vordergrund treten. Die Eigenschaften von Gips verleihen der gleichzeitig fragil und dynamisch wirkenden Skulptur den Anschein von Konsistenz und Erhabenheit.

Die Installation Hard on Soft (1993) des Medienkünstlers Hervé Graumann (*1963, CH) verbindet Computertechnologie der 1990-Jahre mit dem synthetischen Material Schaumstoff. Auf einem Schaumstoffsockel platziert, lässt der Künstler dafür einen Drucker pausenlos laufen. Angeschlossen an einen alten Apple-Computer, wird der Drucker von einem Programm gesteuert und das Schaumstoffelement in eine rhythmische Bewegung versetzt. Das Verpackungs- und Schutzmaterial wirkt entgegen seiner eigentlichen Bestimmung zweckentfremdet. Die Effizienz, welche der Computertechnologie anhaftet, überführt der Künstler in eine sinnentleerte Bewegung ohne Ziel und Nutzen.

Die Erkenntnis, dass das Werk Schiftungen (1990) von Jürg Moser (*1950, CH) aus Bienenwachs hergestellt ist, findet über den Geruch statt, den dieses verströmt. Die unterschiedlichen Aggregatzustände von Bienenwachs ermöglichten die Umsetzung des Werks durch ein langsames schichtweises Auftragen des Naturprodukts. Die materielle Erscheinung verbindet letztlich Sprödheit und zeigt auf, wie der natürliche Rohstoff durch die Umformung in ein Kunstobjekt eine neue Form annimmt.

Der Künstler herman de vries (*1931, NL) verwendet für die Umsetzung des Werks from white earth (1993) Erdmuster, die er in das Papier einreibt. Die Naturartefakte werden zum Zeichnungsmedium und das Papier zum Spiegel der unterschiedlichen Farbigkeit des organischen Stoffs. Die künstlerische Erforschung der Natur spiegelt sich auch in der Anordnung der Farbfelder wieder, die an wissenschaftliche Studien erinnert. Indem er die Spuren der Erdmaterie vor uns auslegt, eröffnet sich ein komplexeres Verständnis und Bewusstsein für die Natur.